Die Vertragspartner nach erfolgreichem Abschluss der Vertragsverhandlungen (v.l.n.r.): Frank Hofmann (MEDI), Dr. Thomas Weinreich (VNP), Dr. Werner Baumgärtner (MEDI), Dr. Christopher Hermann (ehemals AOK) Dr. Dieter Baumann (VNP), PD Dr. Ralf Dikow (VNP) und Dr. Eugen Hübel (VNP).

Neuer Facharztvertrag zur besseren Versorgung von Patienten mit chronischen Nierenerkrankungen

Das AOK-Facharztprogramm in Baden-Württemberg wird ab dem 1. April um das Fachgebiet Nephrologie erweitert. Wesentliche Vorteile des neuen Vertrags gegenüber der Regelversorgung sind ausreichend Zeit für eine umfassende Beratung und Unterstützung der Patienten, um in frühen Stadien ein Fortschreiten der chronischen Nierenerkrankung zu verhindern  oder zumindest zu verlangsamen und in allen Phasen des Krankheitsprozesses Komplikationen zu vermindern.

Bei fortgeschrittener Erkrankung profitieren die Patienten von einer wissenschaftlich fundierten unabhängigen Aufklärung zu den verschiedenen Möglichkeiten einer Nierenersatzbehandlung. Grundsätzlich bietet der Vertrag einen schnellen Zugang zu moderner, qualitätsgesicherter Diagnostik und Therapie. Vertragspartner auf Ärzteseite ist MEDI Baden-Württemberg in Kooperation mit dem Verbund nephrologischer Praxen (VNP) in Baden-Württemberg. Teilnehmen können die rund 250 Fachärzte für Innere Medizin mit Schwerpunkt Nephrologie, sofern sie die vertraglichen Qualitätskriterien erfüllen und die erforderlichen Vertragsschulungen absolviert haben. Versorgungsbeginn ist der 1. April.

Derzeit müssen sich knapp 5.600 Versicherte der AOK Baden-Württemberg mit fortgeschrittener chronischer Nierenerkrankung einer Dialyse unterziehen. Der neue Facharztvertrag setzt daher einen Schwerpunkt auf die Prävention und Verzögerung des Fortschreitens der Krankheit, damit die Dialyse verhindert oder ihr Beginn zumindest verzögert werden kann.

Gesundheitskompetenz der Patientinnen und Patienten fördern
Dazu zählt, die Gesundheitskompetenz der Patienten zu fördern, also das Wissen darüber, wie die Nieren funktionieren, welche Faktoren das Risiko für eine chronische Nierenerkrankung und deren Fortschreiten erhöhen und wie der Lebensstil verändert werden kann, um die Nieren vor einem weiteren Funktionsverlust zu schützen. Im Vordergrund stehen dabei insbesondere Rauchstopp, regelmäßige Bewegung, Abbau von Übergewicht und eine sichere Arzneimitteltherapie.

Dabei setzen die Vertragspartner weiter auf die erfolgreiche Strategie einer engen Verknüpfung von haus- und fachärztlicher Versorgung. Dr. Werner Baumgärtner, Vorstandsvorsitzender von MEDI Baden-Württemberg und MEDI GENO Deutschland, betont: „Gerade durch die strukturierte Verknüpfung mit dem Hausarztvertrag gibt es beste Voraussetzungen dafür, dass Nephrologen bei Patienten mit erhöhtem Risiko zukünftig früher hinzugezogen werden und dass einige Patienten erst zu einem späteren Zeitpunkt eine Nierenersatztherapie benötigen. Mit dem neuen Vertrag setzen wir außerdem gemeinsam mit dem VNP und der AOK Baden-Württemberg ein klares Signal, dass wir unsere alternative Regelversorgung auf Basis von Vollversorgungsverträgen weiter ausbauen wollen.“

Hoher Beratungs- und Betreuungsaufwand
Um die Patienten vor allem über die einzelnen Dialyseverfahren ausführlich, unabhängig und mit Blick auf die individuelle Lebenssituation des Patienten zu beraten, kann der Nephrologe im Vertrag mehr Zeit aufwenden. Das bildet die Grundlage für die gemeinsame Entscheidungsfindung bei der Auswahl der optimalen Dialysemethode. Dialysepatienten und Patienten nach einer Nierentransplantation werden ebenfalls ausführlich und angepasst an die individuelle Gesundheitssituation beraten und motiviert, weil das dazu beitragen kann, die Komplikationsraten zu senken. Wichtig sind zum Beispiel bestimmte individuelle Diät- und Trinkvorgaben oder das Wissen über die Notwendig-keit von Bewegung und Sport.

Zur Vertragsphilosophie erklärt Johannes Bauernfeind, Vorstandsvorsitzender der AOK Baden-Württemberg: „Der Leitgedanke des Vertrages ist es, eine umfassende evidenzbasierte und biopsychosoziale Versorgung von Patientinnen und Patienten in allen Phasen der Krankheit sicherzustellen. Die mit den Vertragspartnern vereinbarte Vergütung fördert gezielt die intensive Begleitung und Beratung der Betroffenen. Denn nur informierte Patienten können gemeinsam mit ihrem Arzt die bestmögliche Therapieentscheidung treffen.“

Dr. Dieter Baumann, erster Vorsitzender des VNP kommentiert: „Wir sind mit diesem Vertrag sehr zufrieden. Der hohe Beratungs- und Betreuungsaufwand wird damit für Patienten in allen Krankheitsphasen sehr gut abgebildet. Damit können wir die bereits gute Versorgung noch weiter verbessern – nicht zuletzt auch durch die Förderung von Heimdialyseverfahren. In Verbindung mit dem bundesweit vorbildlichen Dialysesachkostenvertrag der AOK Baden-Württemberg bin ich überzeugt, dass der Großteil der Nephrologen im Land den neuen Vertrag sehr begrüßen und daran teilnehmen wird.“

Der Facharztvertrag Nephrologie ergänzt den bereits seit 2002 existierenden eigenen Dialysesachkostenvertrag der AOK Baden-Württemberg, der vorwiegend nicht-ärztliche Leistungen umfasst. Mit dem Vertrag wird das Versorgungsspektrum erweitert. Der weiterhin geltende Dialysesachkostenvertrag hebt sich in mehrfacher Hinsicht vom Versorgungsniveau des EBM ab und steht damit von Beginn an für eine deutlich höhere Versorgungsqualität. So werden unter anderem für multimorbide Patienten höhere Dialysesachkostenpauschalen übernommen, um dem vermehrten Pflegeaufwand im Dialysezentrum gerecht zu werden.

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