Trotz Kater oder Kopfweh zur Arbeit?

Um die Zahl der Fehltage zu reduzieren, setzen Unternehmen in vielen Branchen auf finanzielle Anreizsysteme. Auch in manchen Arztpraxen bekommen die Mitarbeiter zusätzlich zum Gehalt eine Sondervergütung, wenn sie nicht krank werden. Solche Anwesenheitsprämien haben Vor- und Nachteile.

Natürlich darf man Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nicht mit Gehaltskürzungen für Krankentage bestrafen. Erlaubt ist es allerdings, Angestellte dafür zu belohnen, dass sie besonders wenige Fehltage haben. Sie bekommen dann monatlich, per Quartal oder am Jahresende eine Anwesenheitsprämie, während Angestellte mit AU-Tagen leer ausgehen.

Prima Klima im Team?
„Sie macht montags oft blau“ oder „Sie feiert mal wieder krank“ – wenn solche Vorwürfe im Raum stehen, ist die Stimmung im Team im Keller. Was ändert sich in so einem Fall durch eine Anwesenheitsprämie? Das finanzielle Argument mag bei einem notorischen Blaumacher tatsächlich wirken – allerdings nur, bis er nach den ersten Krankheitstagen keinen Bonus mehr zu erwarten hat.

Die Stimmung im Team wird durch solche Anreize vermutlich nicht besser. Wie wird sich die MFA fühlen, die wochenlang wegen Burnout oder Brustkrebs ausgefallen war, wenn ihre Kolleginnen am Jahresende für Gesundheit belohnt werden?

Problem Präsentismus
Die Aussicht auf eine finanzielle Belohnung kann sowohl die montagsmüden Teammitglieder motivieren als auch diejenigen mit echten Krankheiten. Personalberater beschreiben zwei typische Verhaltensweisen von Mitarbeitern: Während sich der eine zum Beispiel jeden zweiten Montag krankmeldet (Absentismus), ist der andere stolz darauf, auch mit Fieber in der Praxis zu erscheinen (Präsentismus). Keine Frage: Beide Verhaltensweisen können die Stimmung im Team belasten und die Personalkosten erhöhen.

Längst haben Studien ergeben, dass die Arbeitgeberseite nicht davon profitiert, wenn Angestellte trotz Krankheit am Arbeitsplatz erscheinen. Es hat negative Folgen, wenn man sich zum Beispiel mit einem fieberhaften Infekt zum Arbeitsplatz bewegt, um sich die Anwesenheitsprämie zu sichern: Die Leistung sinkt, die Zahl der Fehler und das Ansteckungsrisiko für Dritte steigen.

Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin ermittelte schon 2011, dass Präsentismus beträchtliche Kosten verursacht, deren Höhe die Kosten durch Absentismus deutlich übersteigt. Langfristig muss außerdem mit negativen Folgen für die Gesundheit der Betroffenen gerechnet werden.

Gibt es Alternativen?
Wenn jemand durch gehäufte Fehltage vor oder nach einem Wochenende auffällt, kann ein offenes Gespräch darüber Veränderungen bewirken. Personalberater empfehlen sogar, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter grundsätzlich nach jeder Krankheit persönlich wieder am Arbeitsplatz zu begrüßen. Selbst in einem kurzen Gespräch über die Abwesenheit kann man nachfragen, ob die Krankheit etwas mit der Arbeitssituation zu tun hat. Gibt es Hinweise auf eine Überlastung? Selbstverständlich stehen nicht Vorwürfe im Mittelpunkt, sondern Fürsorge und Erleichterung darüber, dass der oder die Angestellte wieder da ist!

Ein anderes Mittel zur Abwehr von gehäuften Krankheitstagen ist die Verkürzung der Frist für AU-Atteste. Der Zwang zum Arztbesuch schon am ersten oder zweiten Krankheitstag ist zwar lästig für alle Beteiligten, kann aber erfolgreich sein, um vorgetäuschte Krankheitstage zu verringern.

Ruth Auschra

 

 

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