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„Mehr konstruktives Miteinander“

„Kammerarbeit ermöglicht einen Dialog über Fachgrenzen und Institutionen hinaus“, ist Dr. Daniela Ibach, Fachärztin für Allgemeinmedizin in Filderstadt, überzeugt. Die Kammerarbeit ist der 58-jährigen Mutter von vier Kindern nicht fremd, sie war sogar schon Delegierte im Deutschen Ärztetag. Jetzt kandidiert Daniela Ibach auf der Liste „Gemeinsame Zukunft“ für die Ärztekammerwahl in Baden-Württemberg.

MEDI-Blog: Frau Dr. Ibach, Sie haben sich früher für den Hausärzteverband aufstellen lassen – warum denken Sie inzwischen fachübergreifend?

Ibach: Zunächst bin ich mit Leib und Seele Hausärztin. Ich empfinde aber Slogans wie „Fachärzte wählen Fachärzte und Hausärzte wählen Hausärzte” als spaltend und destruktiv. Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass wir unsere berufspolitischen Ziele, eine bessere Patientenversorgung und eine größtmögliche Unabhängigkeit von Krankenkassen und Politik nur im Schulterschluss mit Haus- und Fachärzten erreichen. Ich würde mir in vielen Bereichen, zum Beispiel bei Fortbildungen und Qualitätszirkeln, mehr gemeinsame Veranstaltungen wünschen. In Filderstadt erlebe ich schon ein sehr konstruktives Miteinander, auch über Sektorengrenzen hinweg.

MEDI-Blog: Welche standespolitischen Themen liegen Ihnen am Herzen?

Ibach: Die Aus- und Weiterbildung und die Förderung des ärztlichen Nachwuchses. Auch weil mir die Versorgung der Bevölkerung und der zunehmende Mangel an niederlassungswilligen Kollegen Sorge bereitet. Mir sind aber auch bessere Arbeitsbedingungen wichtig – das Arbeiten im ambulanten Bereich muss attraktiv bleiben. Eine Herausforderung sehe ich in der Digitalisierung. Hier gibt es bereits Anfänge in der Aufhebung des Fernbehandlungsverbots. Wir müssen als Ärzteschaft aufpassen, dass wir uns den Neuerungen nicht verschließen, sonst werden wir von anderen Anbietern überrollt.

MEDI-Blog: Wie schaffen Sie es, Beruf und Familie zu vereinbaren?

Ibach: Während meiner Ausbildung war eine straffe Organisation wichtig. Einen Großteil meines Verdienstes musste ich in die Kinderbetreuung stecken. Ich hatte aber auch Glück, dass mein damaliger Ehemann meine Arbeit unterstützt hat. Die Kinder sind früh sehr selbstständig geworden, wir waren auch in harten Zeiten immer ein gutes Team. Inzwischen sind die Kinder erwachsen und wohnen nur noch teilweise zuhause. Meine berufliche Tätigkeit kann für sie nicht abschreckend gewesen sein, denn zwei meiner Kinder studieren Medizin.

MEDI-Blog: Wie könnte die Kammerarbeit für den ärztlichen Nachwuchs attraktiver werden?

Ibach: Indem wir schon früh über die Arbeit der Ärztekammer informieren. Mit früh meine ich schon während des Studiums. Ich erlebe immer wieder junge Kollegen am Ende des Studiums, die eigentlich gar nicht wissen, was die Ärztekammer macht und weshalb sie dort Mitglied werden müssen. Außerdem denke ich, dass eine gute Kammerarbeit zum Mitmachen einlädt. Junge Ärztinnen und Ärzte müssen erleben, dass eine Kammer sich für sie einsetzt und sie für die Kammer wichtig sind. Und wir älteren Kolleginnen und Kollegen müssen vielleicht akzeptieren, dass es im Leben Zeiten gibt, in denen keine Valenzen für eine Mitarbeit in der Ärztekammer frei sind.

Weitere Kandidatinnen und Kandidaten sowie die Ziele der „Gemeinsamen Zukunft“ finden Sie hier.

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1 Kommentar

  1. Wolfgang Miller

    Danke an Daniela Ibach für die ehrlichen Worte. Die Kammer ist wichtig, vom Start weg. Zur Wahrheit gehört auch, dass es Phasen im Leben gibt, in denen andere Dinge Vorrang haben. Deswegen arbeiten wir zusammen, jeder bringt ein, was er kann, und am Ende wird aus vielen Sichtweisen und Aspekten der unterschiedlichen Fach- und Altersgruppen in Klinik und Praxis eine richtig gute Berufspolitik ohne ideologische Hemmnisse. Eben eine gute “Gemeinsame Zukunft”

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