Baumgärtner warnt vor Installation des TI-Konnektors

Da der TI-Konnektor für den Datenabgleich mit den Krankenkassen noch „zu viele Störungen und Kinderkrankheiten“ aufweist, rät Dr. Werner Baumgärtner, Vorstandsvorsitzender von MEDI Baden-Württemberg und MEDI GENO Deutschland, den Praxen davon ab, den Konnektor jetzt schon zu installieren. Im nachfolgenden Rundschreiben an die MEDI-Mitglieder im Südwesten begründet Baumgärtner seine Bedenken:

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

viele von Ihnen sind wegen einer Anschaffung des TI-Konnektors für den Datenabgleich mit den Krankenkassen verunsichert. Bis zum Jahresende sollen unsere Praxen die Konnektoren installiert haben, sonst droht der Gesetzgeber mit Strafen. Man fragt sich schon, ob die Verantwortlichen auch mal einen Blick in unsere Praxen werfen, denn die aktuelle Situation sieht wie folgt aus:

  • Von der versprochenen Vielfalt der Konnektoren gibt es aktuell nur EINEN (CompuGroup). Insofern gibt es auch keinen Preiswettbewerb.
  • Konnektoren sind lediglich in ca. 10% aller Praxen installiert.
  • Die Argumentation, man könnte einen anderen als den jeweils empfohlenen Konnektor wählen, ist naiv. Man ist praktisch gezwungen, den vom jeweiligen Softwareunternehmen empfohlenen Konnektor zu kaufen. Gibt es Probleme mit der Praxis-IT nach der Installation eines “fremden” Konnektors, ist doch dieser sofort schuld. Es gibt also de facto keinen echten Wettbewerb.
  • Die Medatixx-Gruppe wartet auf den Telekom-Konnektor, andere Firmen auf andere angekündigte Konnektoren, die aber alle noch nicht zertifiziert sind.
  • Mit dem 2. Quartal 2018 hat die Abstaffelung der Preise für die Konnektoren, die von den KVen bezahlt werden sollen, begonnen. Die Frage, ob die Anbieter diese Abstaffelung mitmachen, ist noch offen und die Praxen würden im Ernstfall auf einigen Kosten sitzen bleiben. Im Gesetz steht aber, dass alle Kosten für die Praxen übernommen werden. Daran hält sich erfreulicherweise die KVBW, die bisher alle Kosten übernommen hat und das wohl auch künftig tun wird.
  • Der Datenabgleich findet, nach Rückmeldungen aus bisher installierten Praxen, inzwischen schnell genug statt. Allerdings stürzt das System in der Konfiguration mit dem Konnektor häufiger ab und die Praxen können nicht weiterarbeiten. Ein Anwender hat deshalb dazu geraten, bei der Umstellung darauf zu achten, dass man ggf. mit seiner alten Konfiguration – also ohne Konnektor – weiterarbeiten können sollte, falls der Konnektor ausfällt. Zudem gibt es teilweise Probleme mit dem Format der Patientenkarte und sie kann nicht eingelesen werden!

Aus diesen Gründen kann ich Ihnen nicht dazu raten, den TI-Konnektor installieren zu lassen. Zuerst müssen die Störungen und die “Kinderkrankheiten” behoben werden.

Die aktuelle Situation ist ärgerlich und wie so häufig schert sich kein politisch Verantwortlicher darum. Man kann aktuell nur hoffen und dafür kämpfen, dass der Zwang zur Installation über 2018 hinaus verschoben wird. Bis dahin muss auch die Frage geklärt werden, wer gegenüber den Praxen haftet, wenn der Konnektor ausfällt oder gehackt wird. Ich werde mich für unsere Praxen einsetzen und Sie sofort darüber informieren, sobald sich die Umstände gebessert haben.

Mit freundlichen kollegialen Grüßen
Dr. Werner Baumgärtner
Vorstandsvorsitzender MEDI Baden-Württemberg e.V.

2 Kommentare

  1. Irrweg!!!
    Es ist sicher richtig, dass Praxen sich der Digitalisierung stellen müssen. Kommunikation auf Faxstandard geht definitiv nicht mehr. Es geht auch nicht, dass Daten zwar vorhanden sind, aber nicht immer dort, wo sie gebraucht werden. Hier sind die Vernetzungsprojekte von MEDI gute Ansätze, damit Praxen und andere Partner im Gesundheitsbereich besser kommunizieren können.
    Ein Irrweg ist aber die aufgezwungene “Lösung” der Telematik. Dieses System ist bereits vor seiner Einführung überholt. In der Erstanwendung dient der Stammdatenabgleich nur den Krankenkassen. Bis sich ein Nutzen für die einzelne Praxis einstellt, kann man wahrscheinlich noch lange warten. Hier ist Zurückhaltung angesagt – möglicherweise sogar Verweigerung. Eine Praxis mit vielen Selektivpatienten kann sich durchrechnen, ob der Abzug von 1% KV-Honorar nicht billiger kommt, als die unsinnige Einführung dieser Art von Telematik mit deutlichen Folgekosten. Diese werden dann nicht mehr von den Kassen bezahlt.

  2. Es ist höchste Zeit, daß sich etwas tut. 1999 war ich bei den ersten, die die VCS-Schnittstelle testen sollten. Daraus wurde nichts. Dann im Sommer 2001 eine Informationsveranstaltung zur Gematik: Bis Ende 2002 sollte die elektronische Datenübertragung einschließlich elektronischem Rezept stehen. Wir warten bis heute. Das Internet gehört zum Leben, wir haben es in der Praxis, bereits verpflichtend für die Abrechnung mit der KV, im Selektivvertrag und teils mit der BG. Das Internet kann mehr. Auch unsere Patienten sollen endlich profitieren. Im MEDI-Projekt in Heilbronn sammeln wir Erfahrungen.

    Die verpflichtende TI kann die Entwicklung unterstützen. Ich hoffe daß die Technik bald läuft. Die Digitalisierung kommt nicht irgendwann. DocDirekt ist am vergangenen Montag gestartet. Wir sind mitten drin. Wir wollen mitgestalten. Eine riesige Aufgabe für Kammer, KV, Kassen, auch für uns Ärzte. Kneifen geht nicht mehr. Vorsicht ist o.k. solange Unsicherheit besteht, Zaudern bringt nichts. Wir müssen da durch. Klare Ansage: Blick nach vorn!

    Dr. Wolfgang Miller
    Leinfelden-Echterdingen

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